FAQ COVID-19

  • Für Ihre Fragen zur COVID-19 Pandemie haben wir Informationen in unseren FAQ für Sie zusammengestellt.
Weihnachten allein zu Hause? Corona wird unser Nähe-Distanz-Verhältnis verändern

Weihnachten allein zu Hause? Corona wird unser Nähe-Distanz-Verhältnis verändern

18. Dezember 2020 · Dettlings Kolumne

Ehrlich und unter uns, haben Sie Weihnachten schon einmal alleine verbracht? Stille Nacht, einsame Nacht? Als ein deutscher Spitzenpolitiker im November das diesjährige Weihnachtfest als das „härteste Weihnachten, das die Nachkriegsgenerationen je erlebt haben“, bezeichnete, war der Aufschrei groß. „Geschichtsvergessen“ war noch einer der harmlosesten Reaktionen.

Die Corona-Kontaktbeschränkungen halten uns auch an den Festtagen zuhause, werden uns aber nicht die Freude am Fest nehmen lassen. Im Gegenteil: Weihnachten 2020 wird das schönste Ereignis in diesem Jahr!

Digitale Nähe schlägt körperliche Distanz

Beschenken wir uns selbst und unsere Liebsten, indem wir zu Hause bleiben und den Corona-Slogan des Jahres 2020 auch an Weihnachten tapfer durchhalten: „Stay at home!“ Wir gehen eine neue Beziehung ein: mit uns selbst und unserer Familie, Freunden und Nachbarn. CORONA wird zum Beschleuniger von Bindungen und Beziehungen. Wir lernen gerade, Distanz zu schätzen und dadurch die Qualität unserer Verbundenheit zur Welt und Umwelt neu zu leben. Je mehr wir körperlich auf Distanz gehen, desto mehr suchen wir die digitale Nähe zu unseren Liebsten. Wir definieren unser Verhältnis von Nähe und Distanz neu, dank Corona. Denn die Krise schärft den Blick dafür, was uns wirklich wichtig ist. Volle Kaufhäuser, endloses Shoppen und alkoholreiche Weihnachtsfeiern gehören sicher nicht dazu. Verzichten wir darauf und wenden uns dem wahren Wert von Weihnachten zu: Liebe, Entschleunigung, Freundschaft.

Einsamkeit ist schlimmer als Corona

Diese Corona-Erfahrung wird auch in Zukunft gelten. Ein Megatrend ist dafür vor allem verantwortlich: der demografische und soziale Wandel. Single-Haushalte sind auf dem Vormarsch. Ihre Zahl ist in den letzten 30 Jahren europaweit enorm gestiegen. Gesundheitsexperten sprechen von einer neuen sozialen Krankheit: Einsamkeit. Sie nimmt vor allem unter den Jüngeren und den Älteren zu. Nicht Corona, sondern Einsamkeit ist sie Krankheit unserer Zeit. Wir werden sie aber nicht mit politischen Mitteln wie „Einsamkeitsministern“ bekämpfen, wie es sich in England bereit gibt. Wir brauchen neue Kulturtechniken im Kampf gegen die Isolation.

Willkommen in der Co-Welt!

Wir sollten daher die digitalen Werkzeuge aus der Corona-Zeit in die Zukunft mitnehmen und sie weiter verbessern: Nachbarschaftsplattformen, spontane Online-Treffen und Gespräche, Videosprechstunden, Weinproben, Seminare und Sport. Und sogar Gottesdienste. Trends wie Co-Living, Co-Working, Co-Praying und Co-Playing lassen sich auch digital leben und erleben. Vor allem die Generation 50plus erobert die digitale soziale Welt. Auf Partnerschaftsbörsen und in Nachbarschaftsforen stellen sie längst die große Mehrheit. Facebook gehört den Omas, haben die Generationen Y und Z längst festgestellt. Die frühere Gleichung „alt gleich einsam“ gilt in der digitalen Welt nicht mehr. Von ihrer (digitalen) Weisheit können die Jüngeren vieles lernen. Wir stehen noch ganz am Anfang einer neuen sozialen und kulturellen Entwicklung mit enormen Chancen für Kirchen, Vereine, Initiativen und für uns alle.

Gemeinsam statt einsam

„Es ist nicht Mensch, dass der Mensch allein sei!“ heißt es im Alten Testament: „Ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.“ Künstliche Intelligenz und digitale Werkzeuge gab es vor Christus noch nicht. Heute muss niemand allein und einsam leben, auch nicht in wochenlanger Quarantäne. In der digital vernetzten Gesellschaft von morgen haben wir die Chance, neben der alten, uns vertrauten (Freundes-)Familie weitere neue dazuzugewinnen. Eine sozial intelligente Digitalisierung macht uns gemeinsamer statt einsamer. Die alte Angst vor der digitalen Einsamkeit aus der Zeit vor Corona kehrt sich ins Gegenteil. Manchmal müssen wir Abstand halten, um unsere Mitmenschen und uns selbst besser kennenzulernen. Dieses Jahr an Weihnachten und in Zukunft auch nach Corona.

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