Corporate Political Responsibility

Corporate Political Responsibility

24. November 2023 · Dettlings Kolumne

Demokratie und Haltung werden zum neuen Business Case. Die 20er Jahre dieses Jahrhunderts werden als „Die Epoche der Polykrise“ in die Geschichte eingehen. Klima, Kriege, Konflikte und Herausforderungen wie die Migration und der Zusammenhalt der Gesellschaft fordern nicht nur Staaten, sondern auch die Unternehmen heraus. Ökonomisch wie gesellschaftlich.

Zum neuen Erfordernis Resilienz, der Stärkung der Lieferketten und Produktionsanlagen, tritt immer mehr eine politische Dimension: Wie positionieren sich große wie kleine Unternehmen, globale Konzerne und kleine lokale Betriebe, gegenüber den Fragen unserer Zeit? Was machen Klimawandel, der Krieg in der Ukraine, der Terrorangriff der Hamas auf Israel und die Flucht von Millionen Menschen mit uns, dem Management, den Führungskräften und Beschäftigten?

Gesellschaftliche Führung wird zur Kernfrage in Unternehmen

Das westliche Modell von Wohlstand und Demokratie stehen wie lange nicht unter Druck. Die Strategie der Desinformation in den Sozialen Medien und Cyber-Attacken gehören zum Alltag auch in den Unternehmen. Gesellschaftliche Führung wird zunehmend zur unternehmerischen Kernfrage, so das Edelman Trust Barometer 2022. Eine große Mehrheit der Beschäftigten erwartet heute von ihren Unternehmen mehr gesellschaftliche und politische Verantwortung.

Überzeugungen und Werte von Verbrauchern, Kunden und weiteren Stakeholdern gehören längst zu wichtigen Einflussfaktoren und entscheiden über den Kauf eines Produktes, das Image der Marke, die Wahl des Arbeitsplatzes oder die Frage von Investitionen. Für die Mehrheit der Bürger sind Unternehmen heute genauso wichtig wie NGOs und Regierungen, wenn es gesellschaftliche Fragen geht. In einer Zeit zunehmender Fragmentierung und Polarisierung sind es Unternehmen, wo Menschen unterschiedlicher Herkunft, Identität und Weltanschauung zusammenkommen. Der Arbeitsplatz wird damit auch zum sozialen und gesellschaftspolitischen Ort. Tools zur Messung und zum Management von Nachhaltigkeit wie ESG (Environment, Social, Governance) werden wichtiger und weiter. Aus einem Leitfaden für Investoren wird ein Leitbild für eine freiheitliche, regelbasierte Marktwirtschaft.

Bildung ist der zentrale Faktor

Das ist im Grunde nichts Neues. Schon der Vordenker der liberalen Ökonomie Adam Smith, der in diesem Jahr seinen 300. Geburtstag hat, beschrieb in seinem Werk „The Theory of Moral Sentiments“ (1759), dass der Mensch nicht nur eigennützig, als Homo Oeconomicus handelt, sondern auch ein geselliges Wesen sei, dass zu Mitleid und Empathie fähig und geleitet ist. Für den schottischen Aufklärer Smith konnte der Markt den Staat nicht ersetzen. Der zentrale Faktor für eine erfolgreiche Marktwirtschaft und einen liberalen Staat sei Bildung. Bildung ist für Smith nicht nur Schulwissen oder das Erlernen eines Berufes, sondern die Fähigkeit des Menschen, sich in andere hineinzuversetzen und neutral, mit Distanz über eine Sache urteilen zu können. Für viele ist Adam Smith ein Vordenker des heutigen europäischen Modells der Sozialen Marktwirtschaft. Als Unternehmensberater würde er Unternehmen heute raten, sich stärker einzubringen und einzumischen- beispielsweise mit Betriebskindergärten, Sprachförderung und Weiterbildung auch zu gesellschaftlichen und politischen Themen und so den sozialen Zusammenhalt zu befördern.

Demokratie und gesellschaftliche Haltung werden zum neuen Business Case. Unternehmen stärken sich selbst, wenn sie Zusammenhalt und Integration fördern. Im eigenen Interesse sollten sie Nachhaltigkeit nicht nur ökologisch und sozial, sondern auch politisch verstehen und mit gutem Beispiel voran gehen. Frieden und Freiheit sind keine Naturgesetze, sie müssen täglich verteidigt und gelebt werden. Auch in den Unternehmen.

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