Was kostet die Welt?

Was kostet die Welt?

27. Mai 2021 · Dettlings Kolumne

Vor wenigen Wochen habe ich über die schlagkräftigste Klimaschutzbewegung der Welt geschrieben, einem Bündnis aus mehr als 370 großen Finanzdienstleistern, die für 41 Billionen Dollar grünes Investitionsvermögen stehen. Im Vergleich zum Vermögen, welches eine intakte Umwelt darstellt, sind das Peanuts.

Auf etwa 90 Billionen Dollar schätzt der Weltklimarat den Wert, den die Natur in Form von funktionierenden Ökosystemen an Dienstleistungen erbringt. Das ist ungefähr die gesamte gegenwärtige globale Wirtschaftsleistung. Eine neue Studie des deutschen Naturschutzbundes und der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group schätzt den monetären Wert der Biodiversität sogar auf das Doppelte. Darin eingepreist sind Werte wie Erholung, Wohlergehen und Freude noch nicht einmal.

Der Wert eines Blaukehlchens

Die Schätzungen mögen sehr abstrakt klingen. Doch kennen Sie den Wert eines Blaukehlchens oder einer Biene? Ein Blaukehlchen erbringt durch das Vertilgen von Schädlingen und das Ausstreuen von Samen eine Leistung von rund 154 Euro im Jahr. Bienen bestäuben drei Viertel aller Nutzpflanzen und erbringen auf diese Weise eine Dienstleistung für die Weltwirtschaft von rund einer Billion Dollar im Jahr. Rund die Hälfte, 500 Milliarden Dollar, zahlen wir pro Jahr für die Ausbeutung und Zerstörung der Natur. Dabei handelt es sich überwiegend um Subventionen für fossile Kraftstoffe, Energie und Landwirtschaft. Und nur ca. 80 Milliarden Dollar (= 0,1 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung) gibt die Menschheit für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen aus.

Ein Marktpreis für die Natur und das Klima

Das sind die Zahlen aus dem neuen Bericht an die britische Regierung vom Februar 2021 über die „Ökonomie der Artenvielfalt“ („Economics of Biodiversity“). Der Raubbau an der Natur, so die Kernaussage des Berichts, sei kein Marktversagen, sondern ein Versagen der Institutionen. Natur sei mehr als nur ein Wirtschaftsgut, schreiben die Forscher, sie habe nicht nur einen „Gebrauchswert“, sondern auch einen „Eigenwert“. Wir nutzen die Öko-Dienstleistungen, als seien sie umsonst, weil Natur und Artenvielfalt keinen Marktpreis haben. Die Ökonomie und ihre Preismodellen sind nicht das Problem, sondern die Lösung: Wenn wir die Natur und ihre Werte erhalten wollen, müssen wir einen Preis für ihre Nutzung festlegen und ihn mit der Bepreisung des Verbrauchs von CO2 verbinden. Je höher der Preis, desto besser für die Natur und das Klima. Ein CO2-Preis von 100 Dollar die Tonne würde bei einem Verbrauch von 35 Milliarden Tonnen CO2 im Jahr ungefähr 3,5 Billionen Dollar einbringen. Die eine Hälfte könnten wir über einen Natur-Trust in Klima- und Artenschutz investieren, die andere an die ärmsten Haushalte weltweit in Form einer grünen Rendite ausschütten.

Eine hundertfache Rendite

Machen wir aus der Natur einen Wirtschaftsfaktor und aus dem Kapitalismus einen grünen! Es würde sich lohnen, ökologisch wie ökonomisch. Für jeden Euro, den wir beispielsweise in einen neuen Nationalpark oder in eine Flussaue investieren, beträgt die natürliche Rendite 100 Euro, somit den Faktor 100. Eine solche Rendite auszuschlagen, wäre unvernünftig. Finden Sie nicht auch?

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