Raus aufs Land statt Risikogebiet!

Raus aufs Land statt Risikogebiet!

29. Oktober 2020 · Dettlings Kolumne

Ein radikal-pragmatischer Vorschlag für das Leben mit (und nach) Corona: Paris, Oslo, Madrid, Warschau, Wien, Berlin. Europas Städte machen erneut dicht und fahren ihren Betrieb herunter. Immer mehr Metropolen gelten als Risikogebiet. Sperrstunden, Ausgangseinschränkungen und Beherbergungsverbote sind die Folge. Die Corona-Pandemie wird zur Krise der großen Städte und Ballungsgebiete.

Sie sind anfälliger, was die Verbreitung von Viren betrifft. Virologen sprechen von „Superspreadern“: Orte, an denen Menschen überdurchschnittlich viele Mitmenschen anstecken. Allein aufgrund ihrer Bevölkerungsdichte stellen die Großstädte eine Gesundheitsgefahr dar. Megacitys wie New York, Singapur und London waren bereits mit der ersten Coronawelle schnell überfordert. Die Pandemie wird nicht nur in den Metropolen entschieden.

Landluft macht virenfreier

Corona wird zum Treiber einer neuen Stadtflucht und führt zu einem neuen Verhältnis von Stadt und Land. Schon vor dem Ausbruch der Pandemie gab es einen Trend „Raus aufs Land“. Immobilienscout 24, Deutschlands größtes Internetportal für Immobilien, hat zu Beginn des Lockdowns im Frühjahr ein deutlich höheres Interesse an Häusern auf dem Land festgestellt. Der Befund gilt auch für andere Regionen in Europa: die Nachfrage nach Immobilien für einen zweiten Wohnsitz im Umland der Ballungsräume ist überall sprunghaft gestiegen. Der ländliche Raum gilt aufgrund der Corona-Erfahrungen für viele als sicherer und „virenfreier“ als die großen Städte. So sind einer Umfrage des Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) zufolge mehr als drei Viertel (78 Prozent) davon überzeugt, dass es für ihre Kinder besser ist, auf dem Land aufzuwachsen. Nur zehn Prozent sehen die Zukunft ihrer Kinder in der Großstadt.

 Vor allem die Generation 40+ zieht es aufs Land

Während die europäischen Großstädte fast ausschließlich durch den Zuzug junger Menschen im Alter von 20 bis 40 Jahren wachsen, zieht die Altersgruppe 40plus zunehmend raus. Lokalität, Natur und Heimat sind wieder angesagt. Vor allem Familien mit dem Wunsch nach Wohneigentum suchen ihr Glück in den ländlichen Regionen außerhalb der Großstädte. Besonders beliebt sind Klein- und Mittelstädte. Auf dem Land ist das soziale Abstandhalten leichter als in der Großstadt. Nachbarschaftliche Solidarität, die sich in den großen Städten über technische Infrastrukturen bilden müssen, sind auf dem Land gelebter Alltag. Auch deshalb ist es auf dem Land leichter, Infektionsherde und neue Ausbrüche nachzuverfolgen und zu bekämpfen. Der Nachbar kontrolliert auf dem Land immer mit, größere Partys und Zusammenkünfte fallen sofort auf.

Homeoffice: weniger Pendelverkehr, mehr Klimaschutz

Auch der Wandel der Arbeitswelt in Richtung Homeoffice wird den ländlichen Raum aufwerten. Homeoffice bedeutet weniger Pendelverkehr und mehr Klimaschutz. Wenn 40 Prozent der Arbeitnehmer an zwei Tagen in der Woche im Homeoffice arbeiten, verringert sich der CO2-Verbrauch um 20 Prozent, so das Ergebnis einer Greenpeace-Studie im Sommer.

Das Leben mit Corona braucht beide Räume, Stadt und Land. Eine stärkere Entlastung der großen Städte durch eine Aufwertung der ländlichen Regionen hilft beiden – gesundheitlich, ökologisch und ökonomisch. Der Trend zum (Zweit-)Wohnsitz auf dem Land wird zunehmen. Von der politischen Gestaltung wird es abhängen, ob dies für möglichst Viele oder nur für einige Wenige gilt. Um urbane Risikogebiete zu entlasten, braucht es den ländlichen Raum. Städter, raus aufs Land!

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