»Forever Youngster«

»Forever Youngster«

02. Juni 2022 · Dettlings Kolumne

In jeder Generation gewinnen wir 7,4 Jahre. Die gewonnene Zeit verändert Gesundheit, Arbeit und Wohnen.

Sein Alter kennt jedes Kind. Aber wann sind wir „alt“? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Während die Menschen in Deutschland bereits mit 62 als alt gelten, sind es in Spanien Menschen erst ab 74. Alt sind immer die anderen. Das Streben nach ewiger Jugend ist fast allen Kulturen gemein. Eine der ältesten Geschichten der Menschheit, der Gilgamesch-Epos, beschreibt die vergebliche Suche eines Königs nach der ewigen Jugend. Je älter wir werden, desto länger wollen wir jung sein. Nie zuvor haben so viele Menschen ein so hohes Alter erreicht. Die Chance 65 oder älter zu werden, hat sich bis heute verdreifacht. In der Wirtschaft ist die Rede von der Silver Economy und den Silver Surfern. Immer mehr ältere Menschen tragen durch Arbeit und Konsum zum wirtschaftlichen Erfolg bei. Auf die Generation über 60 kommt es in Zukunft mehr denn je an.

Wie wir altern, entscheiden wir

Wie wir älter werden, haben wir selbst in der Hand. Altwerden fängt mit der Jugend an. Unsere Biografiekompetenz entscheidet darüber, ob und wie wir erfolgreich altern. Gemeint ist damit die Fähigkeit, mit Risiken aktiv umzugehen und sich im Laufe des Lebens bewusst zu verändern und anzupassen. Forscher haben herausgefunden, dass Menschen, die über eine positive Selbstwahrnehmung über das eigene Altern verfügen, im Schnitt 7,5 Jahre länger leben als jene ohne positive Selbstwahrnehmung. Die Studie der Yale University belegt den Zusammenhang zwischen positiver Einstellung zum Altern und einer deutlich höheren Lebenserwartung. Wer gerne altert, der lebt auch länger und gesünder. Eine andere Studie untersuchte die Folgen einer negativen Denkweise über das Altern im Hinblick auf die eigene Gesundheit. Menschen mit einer negativen Einstellung hatten später ein doppelt so hohes Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu bekommen. Altern ist heute nicht mehr determiniert, sondern dynamisch und individuell.

Zukunftsforscher nennen den neuen Trend »Downaging«: Wir fühlen uns immer jünger, bleiben nicht nur körperlich länger gesund, sondern zusätzlich geistig länger vital. Wer beispielsweise moderne Medien und Technologien nutzt, fühlt sich oft jünger. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Nutzung von Smartphones Senioren um acht Jahre jünger machen: 60-Jährige fühlen sich heute körperlich und geistig so fit wie 52-Jährige vor zehn Jahren. Die Gruppe der »Forever Youngster«, einer neuen Spezies von jungen Alten, ist europaweit auf dem Vormarsch. Zu dieser gehören mehr als drei Millionen 60- bis 79-Jährige. Zwei Drittel davon sind Frauen, 80 Prozent haben Kinder und immer mehr sind berufstätig. Die besten Jahre haben viele der Generation 65+ noch vor sich.

Die Zukunft gehört der alterslosen Gesellschaft

Die Zukunft gehört der alterslosen Gesellschaft – mit weitreichenden Folgen für Gesundheit, Arbeit und Wohnen.

Gesundheit. Gestiegene Lebenserwartung plus bessere Arbeitsbedingungen machen längeres Arbeiten möglich. Eine Reihe von Studien kommt zu dem Ergebnis, dass es gesünder ist, im Alter (reduziert) weiterzuarbeiten, selbst wenn man schon in Rente ist. Menschen, die im Alter weiter gebraucht werden und erwerbstätig sind, leiden weniger an schweren Krankheiten und leben oft länger als gleichaltrige Menschen im Ruhestand. Ein zu früher Renteneintritt schadet hingegen der Gesundheit.

 Arbeit. Mehr als jeder Zweite in der Generation 60plus geht heute daher einer bezahlten Tätigkeit nach, was eine Verdopplung innerhalb von 20 Jahren bedeutet. In der Altersgruppe ü70 wollen mehr als 20 Prozent länger arbeiten, wenn sie gesundheitlich dazu in der Lage sind. Viele der Älteren sind hochqualifiziert und könnten die größer werdende Lücke bei den Fachkräften zum Teil schließen.

Altersfreundliche Städte boomen

Wohnen. Fast alle Älteren wollen die letzten Lebensjahre in den eigenen vier Wänden verbringen und nicht in Heimen. Der medizinische und technologische Fortschritt ermöglicht es, dass wir uns selbst zuhause versorgen oder uns dort versorgen lassen. Voraussetzung sind flexible Wohninfrastrukturen und Projekte, die Pflege in den Alltag integrieren und dabei die Pflegebedürftigen so weit wie möglich aktivieren. „Altersfreundliches Wohnen“ ist weltweit ein Trend. Das Netzwerk altersfreundlicher Städte ist in mehr als 150 Ländern aktiv. Die Pflege älterer Menschen am Wohnort wird zum neuen urbanen Wachstumsmarkt. Es geht um dezentrale Lösungen und Modelle, intelligente Wohn- und Nachbarschaftsformen, Quartierärzte und -schwestern, Telemedizin und Selbstorganisation.

In Zukunft wird die Geschichte des demografischen Wandels neu geschrieben. Wenn wir es richtig anstellen, können wir so jung sein, wie wir uns fühlen. Eine Gesellschaft, die gesund altert, ist eine reifere und freiere Gesellschaft und stärker immun gegen Hass, Populismus und Zukunftsängste.

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